Am 22. November ist André Schläfli, langjähriges Mitglied der der SGAB, überraschend in seinem 75. Altersjahr verstorben. In den Ferien in Zypern erlitt er völlig unvermittelt, da ansonsten kerngesund und fit, eine Aortaruptur.
André hat wie kaum jemand anders die Berufsbildung und Weiterbildung in der Schweiz geprägt und auch, wenn man so sagen darf, vorwärtsgebracht. Er hat massgeblich dazu beigetragen, dass das Weiterbildungsgesetz (WeBiG) 2017, nach jahrzehntelangem Engagement, endlich eingeführt wurde. Er war von 1992-2016 Direktor des Dachverbandes der Weiterbildung der SVEB (Schweizerischer Verband für Weiterbildung). Unter seiner Ägide gewann die Weiterbildung an öffentlicher Aufmerksamkeit und im Zeichen des «Lebenslangen Lernens» an Bedeutung. Als SVEB-Direktor hatte er seine Arbeitsschwerpunkte unter anderem in den Bereichen Bildungspolitik, Qualitätsentwicklung, Professionalisierung und internationale Zusammenarbeit. Auch in der Berufsbildung engagierte sich André stark und verhalf auch in diesem Bereich Reformen zu etablieren – z.B. jüngst den Professional Bachelor für die Höhere Berufsbildung.
Nach seinem Studium der Psychologie und Pädagogik war André zunächst als Projektleiter im Bereich berufliche Weiterbildung an der Universität Freiburg tätig. Anschliessend arbeitete er als Psychologe und Berufsberater und übernahm dann die Leitung der Management- und Lehrlingsausbildung einer Schweizer Grossbank, ehe er sich beruflich für 25 Jahre bis zu seiner Pensionierung für die Anliegen der Weiterbildung in der Schweiz stark machte.
Im Besonderen ist auch seine Rolle im Zusammenhang mit der SGAB hervorzuheben. Die SGAB entstand 1987, hervorgegangen aus einem Forschungsprogramm des Schweizerischen Nationalfonds («education et vie active»). Es war das erste Mal, dass in grösserem Umfang ein Forschungsprojekt zur Berufsbildung lanciert wurde, mit dem erklärten Ziel, Berufsbildungsforschung auch im Wissenschaftsbereich zu etablieren. André und ich selbst waren damals als Doktoranden bzw. Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt ebenfalls in diese Gründungsphase eingebunden. Zentrale Figur war Emil Wettstein, damals Leiter des Amtes für Berufsbildung im Kanton Zürich. Sein Anliegen, Berufsbildung auch als valablen Forschungsgegenstand zu etablieren und diese breit abzustützen, über die Wissenschaft hinaus bei Praktikern und Vertretern aus Industrie, Gewerbe und Schulkreisen, aber auch aus der Bildungsverwaltung, wurde von uns geteilt. Die SGAB verstand sich und versteht sich noch heute als Brückenbauer zwischen Theorie und Praxis. Gleichzeitig verhilft anwendungsbezogene Forschung, die Berufsbildung vorwärtszubringen.
André Schläfli inspirierte hierbei mit seinen Vorschlägen und Ideen die SGAB. Er setzte sich zeitlebens für Innovationen in der Weiter- und Berufsbildung ein, durch das Setzen von Themen im richtigen Zeitpunkt und eine gute Vernetzungsarbeit mit Politikerinnen und Politikern und Interessenvertretungen. Auch aus diesem Grunde war die SGAB für ihn ein geeigneter Ort und Wirkungsstätte. Er blickte hierbei gerne über die Landesgrenzen. André war sehr gut mit Bildungsaktivistinnen und Bildungsforschern aus anderen Ländern (Deutschland, Finnland, England, Südafrika, USA) vernetzt. Dies führte u.a. dazu, dass André und ich 1999 einen allerersten Bericht zur Situation der Weiterbildung in der Schweiz verfassten. Daneben lancierten wir eine grössere Studie zur Weiterbildung in KMU, die wir ebenfalls in der SGAB und in kantonalen Berufsbildungsämtern vorstellten. Dies alles im Dienst des Anliegens, Weiterbildung und Berufsbildung voranzubringen.
Die SGAB gedieh in den 1990er-Jahren bis zur Jahrtausendwende, erhielt dann aber einen Dämpfer, als sich einige Aktivistinnen und Aktivisten der ersten Stunde zurückzogen. Erschwerend kam hinzu, dass sich das BBT (ehemaliges BIGA, heute SBFI) aus der Beteiligung an der SGAB zurückzog. Auf einen Schlag fielen alle Mittel und Unterstützungsmassnahmen für die SGAB weg. In der Folge ergriff – nicht untypisch – André mit mir zusammen die Initiative, um eine Wiederbelebung der SGAB zu bewerkstelligen, zunächst quasi als Organisation ohne Budget. Wir haben zu viert (mit zwei älteren Vertretern der SGAB) im Restaurant Frieden in Zürich quasi eine Neugründung ohne Budget angepackt.
André hat für die SGAB viel geleistet, als Ideengeber, als Gestalter dieser Organisation in ihren Strukturen und Satzungen, als Mitgestalter von Tagungen und vor allem auch – bauend auf seiner Erfahrung – als einer, der die Finanzen im Blick hatte. Heute ist die SGAB aktiv und florierend wie kaum zuvor.
Im Namen der SGAB sprechen wir der Familie von André, seiner Frau Esther und ihren Kindern Florian und Katja unser tief empfundenes Beileid aus.
Philipp Gonon (Prof. em. Universität Zürich, und langjähriges Mitglied der SGAB)